Warum die Klaus-Störtebeker-Stiftung alternativlos ist

HINWEIS: Dieser Artikel kann Spuren von Ironie enthalten. Ich bitte daher, nicht jedes Wort auf die Goldwaage zu legen – einschließlich des Fazits.

Am vorletzten Wochenende fand in Frankfurt ein Treffen statt, bei dem über die mögliche Gründung einer parteinahen Stiftung diskutiert wurde. Die anwesenden Piraten sprachen sich dabei mit großer Mehrheit für ein solches Projekt aus. Ohne selbst für oder gegen eine piratige Stiftung zu votieren, möchte ich im Folgenden darlegen, warum – sollte es je eine solche geben – der Name „Klaus-Störtebeker-Stiftung“ für eine solche ideal ist.

Wie ich darauf komme? Ganz einfach: immer, wenn ich erwähne, dass wir über die Gründung einer parteinahen Stiftung nachdenken, wird reflexhaft genau dieser Name genannt. Zuletzt passierte mir dies gleich mehrfach im Laufe der vier Tage, die ich bei Veranstaltungen der Friedrich Naumann Stiftung verbrachte und die eingangs erwähnte Diskussion ansprach. Auch zuvor schon hatte ich dies im Kontext mit dem Wort „Stiftung“ einige Male erlebt.

Aber ist „Klaus-Störtebeker-Stiftung“ wirklich ein sinnvoller Name? Darüber musste ich selber erst einmal nachgrübeln und will meine Gedanken dazu hiermit verbloggen.

Üblicherweise sind parteinahe Stiftungen nach bedeutenden Persönlichkeiten der Geschichte benannt, die der betreffenden Partei einst angehörten oder zu ihren geistigen Vorbildern zählen, wie etwa Heinrich Böll, Friedrich Naumann oder Konrad Adenauer. Da üblicherweise keine lebenden Personen als Namensgeber ausgewählt werden und es keine einzelne Person gibt, deren Vermächtnis entscheidenden Einfluss auf die Piratenpartei hatte und hat, bleibt uns – sofern wir die Stiftung nach einer realen Person benennen wollen – nur der Rückgriff auf „echte“ Piraten. Und dabei fällt jedem natürlich sofort Klaus Störtebeker ein.

Das erste Gegenargument ist darauf üblicherweise, dass ein Freibeuter – also ein Verbrecher – als Vorbild und Namensgeber einer Stiftung ungeeignet sei. Schließlich solle diese für seriöse Arbeit stehen. Und alle anderen Stiftungen seien ja auch nach Vorbildern benannt, die in ihrem Leben mit hohen Werten und Idealen glänzten.

Dazu lässt sich mehrerlei entgegnen:

1. Ist es wirklich Sinn der Sache, der Stiftung durch ihren Namen und nicht durch ihre tatsächlichen Leistungen zu Reputation zu verhelfen? Ist es nicht sogar ein wenig anmaßend, als frisch gegründete Stiftung vom Ruf einer angesehenen Persönlichkeit profitieren zu wollen?

2. Haben wir nicht schon als „Piratenpartei“ bewiesen, dass es auf die vertretenen Werte und Inhalte ankommt, nicht auf das Etikett?

3. Nur weil alle anderen ihre Stiftungen nach einer hochangesehenen Persönlichkeit benannt haben, müssen wir das nicht nachmachen – wir sind schließlich ander5, oder?

4. Die Legenden um und der Ruf von „Klaus“ Störtebeker sind ein wunderbares Lehrstück zum Piratenprinzip „informier dich“, bevor man über eine Person urteilt 🙂

Darüber hinaus gibt es einen trivialen PR-Grund: Eine Benennung nach Klaus Störtebeker bringt gegenüber allen anderen Stiftungen den Vorteil, dass jedem sofort klar ist, welcher Partei diese nahe steht. Als Normalbürger muss man dagegen schon bei Konrad Adenauer und Friedrich Ebert kurz nachdenken, ganz zu schweigen von „B-Promis“ wie Hanns Seidel, Rosa Luxemburg, Friedrich Naumann oder Heinrich Böll. Mal ehrlich, wer kann diese Stiftungen alle mal eben schnell ohne großes Nachdenken der jeweils korrekten Partei zuordnen…?

„Das ist ja das Gute, man verbindet die Namen gar nicht sofort mit einer Partei“, wird mancher darauf entgegnen. Umso schlimmer, denn so wird die Verbindung zu CDUCSUSPDFDPGRÜNELINKE verschleiert und eine Unabhängigkeit suggeriert, die in Wahrheit jedenfalls nicht vollständig ist. Viele Bürger wissen wohl überhaupt nicht, dass die seriös klingende Institution, die zum Thema X eine Studie herausgebracht hat, einer bestimmten Partei nahesteht. Und selbst wenn oft nicht welcher. Wer weiß schon, ob Böll liberal, sozial oder christlich war. Oh, er war im Herzen eigentlich Umweltschützer? Heieiei, wer hätte das gedacht.

Wirklich transparent ist das nicht. Dass eine Klaus-Störtebeker-Stiftung mit der Piratenpartei zu tun haben muss, ist dagegen schon überdeutlich – das zeigen schon meine eingangs erwähnten Erlebnisse. Probiert es mal selbst aus, indem ihr jemandem erzählt, wir wollten eine Stiftung gründen und suchen einen passenden Namen. Wenn daraufhin nicht in mindestens 8 von 10 Fällen genau dieser fällt…

Deshalb: Wenn es jemals eine parteinahe Stiftung der Piratenpartei Deutschland geben sollte, ist der Name Klaus-Störtebeker-Stiftung meiner Ansicht nach alternativlos.

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Über kungler

Finanzanalyst, Immobilienhai und Unternehmer mit Idealen.
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11 Antworten zu Warum die Klaus-Störtebeker-Stiftung alternativlos ist

  1. alex schreibt:

    Guybrush Threepwood-Stiftung! Bedient sowohl das Piraten- als auch das Nerdklischee 😀

    Ansonsten: Was der Kungler sagt.

    • gekko schreibt:

      captain crunch!

    • klox schreibt:

      Guybrush Threepwood halte ich für einen sehr guten Vorschlag! Der Name hat auf keinen Fall ein negatives Geschmäckle und sagt der Zielgruppe auch sofort worum es geht.

      Ansonsten könnte man mal wirklich nach Alternative zu Personen schauen und Schlagworte (z.B. „Freiheits-Stiftung“) in Erwähgung ziehen.

  2. Peter schreibt:

    B-Promis? Setzen, sechs.

  3. hab ish schreibt:

    Böll, Luxemburg B-Promi, Nachdenken bei Adenauer…Alter Baumschule oder was?

    • Peter schreibt:

      Alle Piraten sind dann offensichtlich auf lange Zeit D-Promis.

      • Mika schreibt:

        Ich möchte nie, niemals von Leuten im Parlament vertreten, geschweige denn regiert werden, die Klaus Störtebecker sofort identifizieren und zuordnen können, bei Adenauer und Ebert aber schon „nachdenken“ müssen und bei Böll und Luxemburg ihr Nicht-Wissen öffentlich zur Schau stellen. Grausig.

  4. Alfons schreibt:

    besser einen Freibeuter als Namenspatron für die Stiftung verwenden und ehrliche Positionen vertreten als einen ehrbaren Namensgeber für eigene freibeuterische Aktivitäten zu missbrauchen, wie es bei manch anderer Partei der Fall ist.

  5. Hanser Panser schreibt:

    Warum den überhaupt einen Namensgeber ? Themen Statt Köpfen, warum nicht einen Themenbezogenen Namen für die Stiftung wählen ?

  6. Gregor schreibt:

    Vielen Dank, das du abgetreten bist.

  7. dowdax schreibt:

    Niemand erinnert sich an Klaus Störtebecker als einen Verbrecher. Jeder weiß, dass er sich in seiner Todesstunde für seine Kameraden eingesetzt hat. Und weil man bei den Piraten sowieso nicht glaubt, dass sie sich nach festgefahrenen Schablonen richten, kann der Name durchaus als Markenzeichen einer Piratenstiftung angesehen werden. Es gibt keinen besseren.

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