Interview mit „Neues Deutschland“: was ich wirklich gesagt habe*

Ich habe heute den Fehler gemacht, der Tageszeitung „Neues Deutschland“ telefonisch ein Interview zu geben. Anlass der Anfrage war das Urteil im Fall Bodo Thiesen.

Vorweg: Schon die gestellten Fragen empfand ich als gelinde gesagt suggestiv (sie wurden imho in der mir später übersandten Fassung ziemlich „entschärft“, siehe unten). Daher verlangte ich eine schriftliche Übersendung des Interviews zur Freigabe. Es nützte allerdings nicht wirklich viel: Die Pressemitteilung zum Interview sah nämlich dann so aus:

http://www.blogspan.net/presse/neues-deutschland-piraten-politiker-nennt-seine-partei-extrem-kulturoffen/mitteilung/290886/

*oder genauer: als ungefähr-so-von-mir-gesagt freigegeben habe.

Dass die mir übersandten (und durch mich nicht veränderten) Fragen zugunsten des Fragestellers ein ganzes Stück weit entsuggestiviert wurden: meinetwegen. Dass einiges von dem, was ich tatsächlich gesagt habe, weggelassen wurde: nichts Neues. Auch dass viele Aussagen verkürzt wurden, was auch am stellenweise ziemlich zusammengestückelt wirkenden Text erkennbar ist: geschenkt. Dass ich manche Dinge vermutlich im Gespräch nicht optimal formuliert habe: zugestanden. Und dass ich den übersandten Text zu wenig angepasst (am iPhone in einer Funklochgegend im Zug zum nächsten Termin macht sowas keinen Spaß) und dadurch einiges mehr habe durchgehen lassen als ich es am heimischen Rechner getan hätte: eigener Fehler.

Aber wie die PM von „Neues Deutschland“ meine Aussagen verdreht bzw. aus dem Zusammenhang reißt, ist auch für mich eine neue Erfahrung. Nach Rücksprache mit Udo Vetter veröffentliche ich daher hier zur Richtigstellung das komplette Interview, wie ich es tatsächlich freigegeben habe.

Ansonsten bleibt mir nur zu sagen: Sofern die Redaktion keine deutliche Entschuldigung und Richtigstellung veröffentlicht, war dies mein erstes und letztes Interview für „Neues Deutschland“. Allen Piraten, die sich trotzdem künftig als Interviewpartner zur Verfügung stellen, empfehle ich einen Audio-Mitschnitt des Gesprächs und das Bereithalten eines Rechtsanwalts.

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Von mir freigegebener Originaltext des Interviews, übersandt per Mail an den ND-Redakteur T.B. heute um 15.35 Uhr

Frage: Der Parteiausschluss des Holocaust-Relativierers Bodo Thiesen scheiterte vor dem Bundesschiedsgericht. Warum fällt es den Piraten so schwer, solche Leute loszuwerden?

Antwort: Da waren wir vom Bundesvorstand machtlos. Dass es jetzt nicht zum Ausschluss gekommen ist, lag an einer Formalie. Es gab bereits für Thiesen eine Verwarnung. Technisch gesehen sind seine Äußerungen damals bestraft worden. Man kann niemanden für das gleiche Vergehen zweimal bestrafen. Das gilt leider auch dann, wenn sich herausstellt, dass diese Ordnungsmaßnahme für die Schwere des Schadens, der hier angerichtet wurde, zu schwach war. Wir werden jetzt prüfen, ob ihm andere Äußerungen zur Last gelegt werden können.

Frage: Herr Thiesen ist nicht der einzige Fall. Das Engagement, Leute loszuwerden, die sich antisemitisch oder geschichtsrevisionistisch äußern, hält sich in Grenzen. Woran liegt das?

Antwort: Das ist falsch. Ja, es gibt solche Leute bei uns. Und jeder Fall ist einer zu viel. Aber mir sind höchstens fünf, sechs konkrete Fälle bekannt, in denen auch entsprechende Maßnahmen erfolgt sind. Die öffentliche Wahrnehmung ist hier verzerrt durch einzelne Fälle von Mitgliedern, die in der Jugendzeit mal in der NPD waren, erkannt haben, dass es ein Fehler war, und sich später der Piratenpartei angeschlossen haben. Das ist aber ein ganz anderer Fall als jemand, der Mitglied bei uns ist und dann entsprechende Äußerungen tätigt.

Frage: Die Piraten verstehen sich als „postideologische“ Partei, die weder links noch rechts ist. Das zieht doch Rechtsradikale regelrecht an.

Antwort: Nein, das Gegenteil ist der Fall. Die Piraten sind die einzige Partei, die sich klar gegen Extremismus jeglicher Art positioniert.

Frage: Aber da fängt es doch schon an, wenn man von einem „Extremismus jeglicher Art“ spricht.

Antwort: Wir haben immer wieder auch mal Gäste dieser Art an einem Stammtisch. Die sind meistens nach dem ersten Mal wieder weg, weil sie mit ihren Ideen einfach auf radikale Ablehnung stoßen, wenn sie mit irgendwelchen Anti-Ausländer-Parolen kommen. Auch haben die ein großes Problem damit, dass wir extrem kulturoffen sind. Ich kenne ein bisschen das Klima, das an Stammtischen anderer Parteien gepflegt wird. Die Medien haben gelegentlich versucht, uns in diese rechte Schublade zu stecken, wohlgemerkt: die rechtsextreme. Aber rechte Positionen hat auch die CDU. Und das ist schon ein kleiner, feiner Unterschied.

Frage: Was den Umgang mit der NS-Vergangenheit angeht, scheint es keine klare Position bei den Piraten zu geben. Liegt das daran, dass für viele junge Piraten die Geschichte ein alter Hut ist?

Antwort: Der Holocaust ist eines der oder das größte Verbrechen in der Geschichte, da gibt es überhaupt keinen Zweifel. Ich wüsste niemanden, der sich als Geschichtsrelativierer bei uns in einem Amt befindet. Wenn Sie mir da einen Hinweis geben könnten, wäre ich sehr dankbar.

Frage: Sie haben vorhin von einem „Extremismus jeglicher Art“ gesprochen. Ist das nicht eine Gleichsetzung von Antifaschisten mit Rechtsradikalen?

Antwort: Wenn jemand aus antifaschistischen Gründen Häuser anzündet oder Steine wirft oder ähnliche Dinge, dann verurteile ich den genauso wie jemanden, der das gegen Ausländer macht.

Frage: Sie würden also sagen, dass gewalttätige Neonazis dasselbe sind wie Antifaschisten, die sich gewaltsam gegen Neonazis wehren?

Antwort: Nein, das ist nicht dasselbe, aber Gewalt löst immer Gegengewalt aus, egal, aus welcher Richtung sie kommt. Vielleicht ein letzter Hinweis, um zu verdeutlichen, wie absurd der Vorwurf der Holocaust-Relativierung oder allgemein einer antisemitischen Tendenz bei den Piraten ist: Sie wissen, dass unter anderem unsere politische Geschäftsführerin Jüdin ist. Das ist in der Partei allen völlig egal.

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Über kungler

Finanzanalyst, Immobilienhai und Unternehmer mit Idealen.
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30 Antworten zu Interview mit „Neues Deutschland“: was ich wirklich gesagt habe*

  1. Frank (@Glamypunk) schreibt:

    Schon interessant, dass Du antifaschistische Gegengewalt auf eine Stufe stellst mit Leuten, die Ausländer anzünden. Aber bei Eurem Laden wundert mich, ehrlich gesagt, nichts mehr.

    Welcher Antifa hat Häuser angezündet btw?

    • Gorgon schreibt:

      Rotes Hall wurde mal laut Lokalpresse (SHA) hinter einem Brandanschlag auf eine Nazi-Hüte in Hohenberg vermutet. Weis jemand ob sich diese Vermutung bestätigt hat ? Immerhin hatte rotes Hall einen „brennend heissen Sommer in Hohenberg“ zuvor angekündigt, und anschliessend den „brennenden Sommer“ gut geheissen.

  2. Korbinian Polk schreibt:

    ich weiß nicht was da verdreht sein soll. das das ND sich die interessanten stellen rauspickt is ja nich verwunderlich, und wenn mal wieder die verharmlosende hufeisen-extremismustheorie von dir ausgepackt wird, dann wird das zurecht angeprangert. „aber die linken steineschmeißer und häuserabfackler sind ja genauso schlimm! mimimi“. ich schäme mich.

  3. Leon Müller schreibt:

    Ist doch ok! Nur weil einige Piraten – vorzugsweise aus dem „Berliner Klüngel“ – mit offen linksextremen Positionen sympathisieren, die von Anhängern der Politsekte der sogenannten ‚Antideutschen‘ über hochideologisierte Brandstifter bis hin zu zum Teil mit offen faschistoiden Methoden gegen den politischen Gegner vorgehenden selbsternannten ‚Antifas‘ reichen, ist das noch lange keine mehrheitsfähige Position in unserer Partei!

    Daran ändert auch ein hin- und wieder mal zitierter Text einer radikalfeministischen Ideologin aus besagtem Klüngel nichts: Das Interview war doch vollkommen in Ordnung, Kungler hat die rechtliche Position bezüglich des PAVs seriös erklärt und unsere liberale Grundposition jenseits der politischen Extrempole unterstrichen!

    Einzig vielleicht die Formulierung bezüglich Afelia war wohl etwas unglücklich, aber das kann bei einem Telefoninterview schon einmal passieren.

  4. DanielC schreibt:

    Kann nicht einfach mal jeder der sich zu dem Thema äußert vorher in die Satzung gucken (da steht NICHTS von extremismus jeder Art) , oder diesen Beitrag lesen:
    http://www.wider-die-windmuehlen.de/2011/12/warum-die-piratenpartei-nicht-%e2%80%9egegen-extremismus-jeder-art%e2%80%9c-ist/

    Das wird langsam wirklich peinlich.

  5. Andi schreibt:

    Ja Rechtsextremisten sind Schlimmer als Linksextremisten. Ja Gewalt gegen Minderheiten ist schlimmer als Sachbeschädigung.

    Aber

    Auch ein Linksextremist will die FDGO oder Teile von ihr abschaffen. Das ist in diesem Staate die gesetzliche Definition des wortes „Extremist“ Man mag die vorstellung von Pazifistischen Anarchisten und ähnlichen Ideologien im Linken Spektrum mit sicherheit für ungefährlich halten, das sind sie im vergleich zu Rechten Gedanken mit sicherheit auch, es ändert aber nichts daran das sie extremistisch sind.

    Ich halte die tendenziöse verharmloungs des Begriffes „extremismus“ die in dieser Debatte immer wieder betrieben wird für äusserst gefährlich. Diese unsere wehrhafte Demokratie hat aus gutem geschichtlichem Grund den Willen und die Mittel sich selbst gegen Angriffe auf sich (und gegen ihre Abschaffung) zu verteidigen. Und dabei ist es dieser Demokratie egal von welcher Richtung diese Gedanken kommen. Wer von der „systemüberwindung“ träumt, egal welches „system“ er denn danach gerne hätte stellt sich gegen unsere FDGO und ist in der tat bekämpfenswert.
    Dabei sollten wir natürlich den meist gewaltätigem rechtsextremismus vorallem aufgrund seiner menschenfeindlichkeit besonders offensiv die stirn bieten allerdings nicht mit scheuklappen auf den augen.

    Ich würde mich freuen wenn wir insgesamt von einer Diskussionskultur wegkommen würden die mich doch sehr stark an Monthy Phytons „Er Hat jehova gesagt!!!1111einself“ erinnert.

    • FDGO-Liebhaber schreibt:

      Nur weil politisch motiviert ein Amt jemand als Linksextremist einstuft, muss er selbst ja noch gar nicht die FDGO abschaffen wollen. Denn die meisten sogenannten Linksextremisten finden die FDGO voll in Ordnung. Aber psst. Nicht, dass sich das rumspricht. Wo bleibt da die Street-Credibility dieser Linksextremisten?

      Das Grundgesetzt schreibt nicht einen neoliberalen Kapitalismus vor. Sollte sich rumsprechen. Und der Verfassungsschutz hat eine politische Agenda, die nicht neutral ist.

      Wir als Piraten sollten ein bisschen ein Gespür dafür entwickelt haben, wie es ist von dem CDU-CSU-FDP-SPD-Grüne-Block ausgegrenzt zu werden. Die Linke macht das schon seit 20 Jahren mit. Mal sehen, wann wir als Piraten das erste Mal in Verfassungsschutzberichten auftauchen.

      Unbequem zu sein und progressive Ideen in die politische Diskussion einzubringen heißt ja nicht, gegen die FDGO zu sein. Das hätten schwarze Engstirnige gerne so, aber die Welt besteht aus mehr als nur Schwarz/Weiß.

      Der deutsche Rechtsstaat sieht es übrigens auch so: „Die Äußerungen, die man als Beleg für verfassungsfeindliche Positionen von „Solid“ anführe, seien „teilweise aus ihrem Zusammenhang gerissen, nur unvollständig wiedergegeben, (…) nicht aussagekräftig“, heißt es in der Urteilsbegründung des Berliner Verwaltungsgerichts, die der SZ vorliegt.“ http://www.sueddeutsche.de/politik/linksjugend-solid-vs-familienministerin-schroeder-kein-kapital-fuer-marx-anhaenger-1.1307101

      Zudem ist die Hufeisen-Extremismus-Idee (eher CDU-CSU-Staatsdoktrin) keine Theorie und politikwissenschaftlich sehr sehr umstritten.

      • FDGO-Liebhaber schreibt:

        Dazu passend der heutige Internet-Law-Blogeintrag von @RAStadler http://www.internet-law.de/2012/04/berliner-piraten-wollen-mehr-geld-fur-den-verfassungsschutz.html

        „Die Verfassungsschutzbehörden des Bundes und der Länder brechen seit Jahrzehnten regelmäßig und konsequent das geltende Recht. Die meisten Verfassungsschutzberichte sind nachweislich rechtswidrig. Eine gerichtliche Kontrolle findet kaum statt und die parlamentarische Kontrolle funktioniert nicht ansatzweise. Der Verfassungsschutz agiert – z.T. auch mit ausdrücklicher Billigung und Unterstützung der Politik – faktisch im rechtsfreien Raum.“

  6. Frank (@Glamypunk) schreibt:

    Leon Müller und DanielC, Antifa=Antifaschismus, also gegen Extremismus, Ihr tutet ins gleiche Horn und stellt Antifaschisten unter Extremismusverdacht.

    • eSeF schreibt:

      Ich habe in der Antifa über fast 15 Jahre hinweg eine ganze Menge gewaltbereiter Extremisten kennenlernen müssen. Natürlich gibt es in der Antifa Extremisten. Bei den Antifaschisten gibt’s genau so Deppen wie anderswo.

      • struppi schreibt:

        Häuser angezündet, werden überwiegend die von Linken, wie zuletzt in Falkensee.

        Das Problem, dass viele – offensichtlich auch die Piraten – mit der Antifa haben, ist dass diese Personen oft gar keine Wahl haben. Sie werden mit Gewalt von Rechten konfrontiert. Linke die äußerlich als Linke erkennbar sind oder Linke Projekte werden ganz konkret angegriffen. Man ist also z.b. als Punk im Osten der Republik, nicht gewaltbereit, sondern es ist die Normalität im Alltag Gewalt zu erleben. Und dann wird man hinterher als „Gewaltbereit“ abgestempelt. Du kriegst also auf die Fresse und dein Jugendclub wird angezündet und wenn man sich den Personenkreis aus dem die Täter kommt entgegenstellt, findet noch eine Diffamierung, man wäre gegen eine Grundordnung? Die Grundordnung von Nazis?

        Und dort wo es keine oder kaum gewaltbereite Rechte gibt, besteht Antifa Arbeit auch überwiegend aus Aufklärung. Insofern wirken solche pauschalisierte Aussagen, die grundsätzlich auch falsch sind, in einer Partei so, als ob die eigentliche Intention der Antifa Arbeit als etwas verwerfliches dargestellt werden soll. Aber diese Haltung ist in der Gesellschaft weit verbreitet und hilft nur Rechten, die sich so als vermeintliche „Opfer“ der Antifa darstellen.

  7. Liebe Kritiker,
    man kann die Sätze natürlich falsch interpretieren, wenn man dem Kungler ans Bein kacken will. Man muss aber nicht, wenn man mal genauer nachliest und nicht einfach seinem Beißreflex nachgibt.
    Ich sehe da nur, dass er Gewalt verurteilt.
    Und das ist gut und richtig so.

    Textanalyse:
    „Häuser anzündet oder Steine wirft oder ähnliche Dinge“ bezieht sich klar auf beide Seiten.
    „aus antifaschistischen Gründen“ und „gegen Ausländer“ sind die verschiedenen Motivationen.
    Da steht kein Wort von einer Unterscheidung der Schadensarten oder gar einer Entwertung von Opfern rechter Gewalt.
    Das steht da einfach nicht.

    • Sehe ich genauso. Gewalt ist inakzeptabel, egal von welcher Seite sie ausgeht. Was das Strafmaß angeht, das ist ein ganz anderes paar Schuhe.

      Gereade der Legimitationsversuch „Die anderen sind aberviel schlimmer“ zieht einfach nicht.

      Stehen zwei Bankräuber vor den Richter. Der eine Bankräuber dann so:“ Ich plädiere für nicht schuldig. Ich hab nur das Geld genommen. Aber er hat das Geld genommen und dazu noch den Bankangestellten erschossen. „

  8. Frank (@Glamypunk) schreibt:

    Kann ich auch schreiben, „wenn BMW-Fahrer Häuser anzünden“, jedes Kind weiß, dass er hier versucht, Antifaschismus mit Gewalttätigkeit in Verbindung zu bringen. Mit böser übrigens wie Häuser anzünden.

    Außerdem macht es logischerweise einen Unterschied aus welcher Motivation jemand Gewalt anwendet. Jeder Jurist weiß das.

    • Papageier schreibt:

      Stimmt, wenn jemand aus Notwehr ein Haus anzündet, dann ist das juristisch was anderes. So wie bei Anders Breivik…

      Aber eigentlich ist Häuseranzünden in Deutschland generell verboten, egal warum.

  9. Simon90L schreibt:

    Ich finde das Interview völlig in Ordnung… nicht perfekt…aber sicherlich akzeptabel 🙂

  10. Stalker schreibt:

    zur ergänzung das schlimmste verbrechen der geschichte war die ausrottung der amerikaner aber auf platz 2 oder 3 kommt der holocaust…. nurmalso

  11. Stalker schreibt:

    ich meine natürlich der indianer

  12. Jochen Heistermann schreibt:

    Das Ganze wirkt so, dass so lange gefragt wird, bis der Interviewte in eine Falle tappt. Dass der Kungler ein gemäßigter Pirat ist, sollte jedem klar sein, der ihn kennt oder wie ich, seine Tweets in der Timeline sieht.

    Irgendwann müssen die Piraten einen Bot programmieren, der täglich eine Stellungnahme verfasst, dass die Piraten gegen Rechtsextreme sind.

    Außerdem sollten wir Basispiraten unsere „Außenminister“ mehr unterstützen.

  13. Hainz schreibt:

    Aus §1 unserer Satzung. „…totalitäre, diktatorische und faschistische Bestrebungen jeder Art lehnt die Piratenpartei Deutschland entschieden ab.“
    Man kann diesen Teil der Satzung natürlich auch falsch interpretieren, wenn man suggestiv in die Enge getrieben wird, aber das ist schon eine Frage des Bewußtseins.
    Wo aus antifaschistischen Gründen Häuser angezündet wurden oder werden gibt der von Dir nachgereichte tweet http://www.berliner-zeitung.de/berlin/brandstiftung-linksextreme-bekennen-sich-im-internet-zum-brandanschlag-,10809148,14947302.html auch nicht preis. Ein linksextremistischer Brandanschlag muss nicht aus antifaschistischen Gründen verübt worden sein oder nicht primär Ausdruck von antifaschistischem Widerstand sein. Im konkreten Beispiel findet sich im Artikel kein Indiz, das die Interviewbehauptung untermauern könnte.
    „Gewalt löst immer Gegengewalt aus“ diffamiert legitimen antifaschistischen Widerstand und ist ein Schlag ins Gesicht all derer, die in Notwehr zum letzten Mittel greifen, das übrigens im schwächsten aller Grundrechte (Art 20 GG) sogar gegen Staatsorgane legalisiert wird, wenn wir an offen faschistsiche Strukturen denken.
    Wir haben ein Problem, nein das sind nicht die Antisemiten und Spacken, die in ihrer Vergangenheit oder Gegenwart Braunkack von sich gaben oder geben. Das Problem ist ein Mangel an Bewußtsein über Antisemitismus, Chauvinismus und Rassismus. Und da dieser Mangel fundamental ist, eiern wir auch herum, was den Umgang mit Antisemiten in unseren Reihen angeht.
    Ich möchte nichts von Einzelfällen hören und nichts anderes ist es, wenn relativiert wird „mir sind höchstens fünf bis sechs konkrete Fälle bekannt“ (bis heute wußte ich Neupirat nur von 2-3) um auf die Verzerrung durch die irregleiteten Jugendsünder, die ihre Jugendsünden gerne geheimgehalten haben, bis es nicht mehr ging, hinzuweisen.
    Ich bin es leid, von Stellungnahme zu Stellungnahme zu springen. Ja, in der bundesdeutschen Gesellschaft gibt es Antisemiten, Rassisten, Chauvinisten, Sexisten etc., ja, die Piratenpartei ist in gewissem Maße Abbild dieser Gesellschaft. Wo sollen denn die Leute herkommen, sie sind in den beschissenen Verhältnissen, die wir ändern wollen, sozialisiert worden. Das steckt nicht in den Klamotten. Wir sind angetreten diese Gesellschaft zu verändern und das wird, lieber Kungler und das meine ich ernst, da ich Dich schätze, nicht gelingen, wenn wir uns nicht zu Antisemitismus, Rassismus und menschenverachtende Haltungen klar positionieren.
    Und ja, es ist mir vollkommen egal welcher Religion andere Piraten angehören und ob überhaupt. Ich finde es richtig, wenn offen gemacht wird, dass unsere politische Geschäftsführerin aufgrund ihrer Religion mails antisemitischen Inhalts erhält, aber ich empfinde es als falsch, wenn die jüdische Religion einer amtsinhabenden Piratin gegen den Vorwurf des Antisemitismus in der Piratenpartei ins Feld geführt wird. Das kann sie von mir aus für sich sagen, wenn Du es tust, kommt es mir vor, als benutzt Du es, um davon abzulenken, dass wir eine Unschärfe zu diesem wichtigen Punkt haben.
    Ich würde mich sehr freuen, wenn wir dies einerseits anerkennen und offen darstellen könnten und andererseits beginnen einen Prozeß zu starten, um ein Bewußtsein zu erlangen, um solche menschenverachtende Haltungen zu überwinden, zunächst innerparteilich, dann gesamtgesellschaftlich. Wenn uns das gelingt, dann ist das etwas ganz Großes! Ja, ich bin nicht für ein flottes „Nazis raus!“, was ja für eine Partei noch einfacher wäre als für eine Gesellschaft, aber für einen Umgang, der basisdemokratisch fundiert ist. Das ist ein längerer Prozeß, der die schlußendliche Aufgabe, wie tolerant wir uns zeigen können, wenn andere ihre Freiheitsrechte dazu mißbrauchen die Würde anderer in den Dreck zu ziehen. Wenn ich Marina Weissband richtig verstanden habe, ist das gewissermaßen ein Heilungsprozeß. Ich wünsche, dass er uns gelingt.

  14. Alev schreibt:

    Ihr habt ja auch einen Abgeordneten, Christopher Lauer, in Berlin, der noch vor kurzem folgendes schrieb und jetzt für euch Politik machen und in jeder Talkshow sitzen darf:

    CommodoreSchmidtlepp 25.05.2007
    „Was sind denn “Antideutsche”?
    Ach so, Du meinst Leute die in Friedrichshain wohnen.
    Ne, ich komme glücklicherweise mit solchen Menschen nie in Kontakt. Und wenn, dann spreche ich nicht mit ihnen 😉

    CommodoreSchmidtlepp 25.05.2007 | 16:23
    Ja gut. Die labern ja eh nur und flüchten sich in ihre Theorien um nicht mit der Welt klarkommen zu müssen.
    Aber Muselmänner mag ich auch nicht 😉

    CommodoreSchmidtlepp 25.05.2007 | 16:27
    Nene, ich hab gar keine Angst das die mich wegsprengen oder meine Töchter ficken. Ich mag sie einfach nicht.

    CommodoreSchmidtlepp 25.05.2007 | 16:29
    Ich bin halt ein Kind der Zeit. Mir ist durchaus bewusst, dass die Vorurteile die ich Muslimen gegenüber habe mit dem vergleichbar sind, was die Menschen Anfang des 20. Jh. über die Juden dachten.
    Wobei es natürlich andere Vorurteile sind. Ich bin einfach von ihnen genervt, so wie man von kleinen Kindern genervt ist, die in der Bahn Handyklingeltöne testen.

  15. Pentax schreibt:

    Verstehe den Sinn dieses Artikels nicht. Die Pressemitteilung gibt doch die Antworten ganz pointiert wieder. Was stimmt daran nicht??

  16. Pingback: Geht’s noch?? … | Tobias Raff

  17. Pingback: Der Frühling ist da | goowell

  18. Hainz schreibt:

    Kungler, wenn es Deine Zeit ermöglicht, liefere bitte einen Beleg für die Behauptung: „Wenn jemand aus antifaschistischen Gründen Häuser anzündet“ oder entschuldige Dich für diese unbelegbare Diffamierung antifaschistischen Widerstands. Antifa Aktivisten setzen z.T. ihr Leben auf´s Spiel und werden von staatlicher Repression bedroht. Seriosität würde Deinen tweet: „Rassismus, Ausländerfeindlichkeit u jeder anderen Form gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit trete ich entschieden entgegen“ glaubhafter erscheinen lassen. Du kannst Dich gerne von Militanz als politischem Mittel distanzieren, aber unbelegbare Behauptungen, das geht nicht.

  19. Hubert schreibt:

    Für jemanden, der sich „als erfahren in Pressearbeit“ beschreibt, ist ein telefonisches Interview mit dem neuen Deutschland selten dämlich, oder?
    Ausserdem mittlerweile ziemlich viele Entschuldigungen von M. Schrader auf dieser Seite.

  20. Dirk schreibt:

    Meiner Meinung nach ist destruktive Gewalt aus welchem Grund auch immer motiviert immer zu verurteilen. Ausgenommen werden kann nur die Auflehnung gegen totalitäre Regime sein, aber davon sind wir hier wohl weit entfernt. Demokratie heisst auch anderen Ihre Meinung (sofern strafrechtlich nicht relevant) zu lassen. Diese Meinung darf in den eigenen Augen dumm sein, trotzdem hat man in einer Demokratie das Recht auf freie Meinungsäußerung.

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