100 Tage BuVo

Es ist in der Politik üblich, nach 100 Tagen zum ersten Mal ein Zwischenfazit zu ziehen. Meist tun das ja die anderen (wie z.B. Ron, danke für deine überwiegend positive Beurteilung), ich möchte mich aber auch in Selbstkritik üben.

Denn wie sich der eine oder andere erinnern mag, hatte ich ein Konzept erstellt, in dem ich vor meiner Kandidatur eine ToDo-Liste für den BuVo notierte. Diese möchte ich heute durchgehen und abhaken, was bereits umgesetzt ist – und was noch nicht.

Um es vorweg zu schicken: Ähnlich wie man den Wald vor lauter Bäumen nicht sieht, lässt einem das Amt vor lauter tagesaktuellen Themen kaum die Zeit, sich mit den „eigentlichen“ Aufgaben zu befassen. Als wichtigste Leistung des BuVo ist daher wohl festzustellen: Wir sind da, wir sind für Presse und Basis gut erreichbar und wir kümmern uns um alle auftauchenden Probleme.

Insofern bin ich einerseits mit der bisherigen (Zusammen-)Arbeit im BuVo, die eigentlich nicht besser hätte funktionieren können, sehr zufrieden. Andererseits ist der nüchterne Blick auf die messbaren Ergebnisse auf den ersten Blick enttäuschend. Aber gehen wir sie anhand der – platzbedingt auf die Hauptpunkte reduzierten – ToDo-Liste mal der Reihe nach durch.


1. Organisation der Programmentwicklung

1.1. „piratige Werte“ definieren, auf denen sich unser gesamtes Programm aufbaut (z.B. anhand einer der diversen Piraten-Kodizes)
1.2. jeweils ein Pro- und ein Contra-Redner bei jedem Antrag auf dem BPT
1.3. (politische) AGs koordinieren, stärker bekannt machen
1.4. RealLife-Themenkonferenzen fördern
1.5. Vermittlung zwischen Interessengruppen fördern

Hier ist noch nicht viel passiert, wobei dieses Thema auch erst jetzt im Hinblick auf den anstehenden Programmparteitag am 3./4.12. in Offenbach stärker in den Fokus rückt. So hat Marina ein Konzept für die parteiinterne Meinungsbildung entwickelt. Zudem läuft ein ReDesign-Wettbewerb für Liquid Feedback und am 9./10.10. findet ein ToolBarCamp statt. Ferner haben wir uns viele Gedanken darüber gemacht, wie Offenbach gut vorbereitet werden kann – dazu ist noch nichts veröffentlicht, sollte aber in den nächsten Tagen kommen.

Insgesamt würde ich den „Erledigungsgrad“ hier aber auf höchstens 10% beziffern.


2. Kommunikationszentrale für Basis und Interessenten

2.1. BuVo ist verantwortlich für Information der Parteibasis und potenzieller Interessenten
2.2. Aus- und Weiterbildung
2.3. Ideendrehscheibe

Im ersten Teilbereich wurden sehr viele Projekte angestoßen, allerdings großteils noch nicht abgeschlossen. So ist die neue Website recht weit, zuletzt aber durch andere Prioritäten ins Stocken gekommen. Einen zentralen Kalender des BuVo gibt es bereits, für allgemeine Termine ist er in Arbeit. Am Organigramm arbeitet die virtuelle Geschäftsstelle bzw. bereitet dies durch eine systematische Erfassung aller Gliederungen vor (da habe ich auch ein wenig geholfen), ein Newsletter für alle Mitglieder ist konkret geplant (aber auf meiner persönlichen Prokrastinier-Liste…) und Tools wie Funkfeuer oder DAM sollen künftig die Presse- und Designgruppen unterstützen.

In puncto Aus- und Weiterbildung fand kürzlich ein erstes Pressetreffen in Plankenfels statt (wobei der Schulungs-Aspekt nur einer von mehreren war), ein zweites mit einem speziellen Fokus auf den Fortbildungsteil ist für Ende Oktober in Bremerhaven geplant. Daneben habe ich mich persönlich um Unterstützung der wahlkämpfenden Ländern mit Tipps zum UU-Sammeln, Orga und Strategie bemüht, unter anderem mit zwei Vorträgen bei DasCamp sowie zahlreichen Gesprächen vor Ort und telefonisch.

Als Ideendrehscheibe fungiere ich bislang (noch) höchstpersönlich, exemplarisch genannt seien die Bollerwagenschiffe, Großplakat-Baupläne, Flyer-Vorlagen oder UU-Sammeltipps. Eine entsprechende gut auffindbare Plattform, die allgemein genutzt werden kann, gibt es bislang noch nicht – siehe neue Website.

Erledigungsgrad: etwa 20-25%.


3. Verwaltung und Richtlinien dazu

3.1. Ausarbeitung von einfach verständlichen HowTows für Vorstände
3.2. FAQs für Basispiraten zu Fahrtkostenabrechnung, Spenden etc
3.3. Infrastruktur

Im Bereich Verwaltung sind Rene und Wilm höchst agil, was sich insbesondere im wichtigsten Projekt „Verwaltungssoftware“ niederschlug – die Details sind wohl hinlänglich bekannt. Ferner sind wir an einer Neustrukturierung der IT, die aber noch nicht umgesetzt ist. Hier trug Servergate samt der Nachwehen für die Mitarbeiter in der PiratenIT nicht gerade zur Beschleunigung bei. In Sachen „FAQs für Basispiraten“ ist ebenso wie im Bereich HowTos für Vorstände noch nicht wirklich viel passiert; ein Presse-HowTo habe ich seit Plankenfels mit Ingo auf meiner persönlichen Prokrastinier-Liste, dito für Wahlkampforganisation.

Erledigungsgrad: ca. 20%.


4. Anstoßen und organisieren von Kampagnen

4.1. Nur der BuVo kann deutschlandweit agieren und mobilisieren
4.2. Kampagnen müssen nach innen und außen organisiert werden

„We keep trying“ beschreibt den Status wohl am besten. Das Thema ist – nicht zuletzt bei mir selbst – permanent auf dem Schirm, gerade heute haben wir’s mit dem Tag des GEZ-Hausverbot ein weiteres Mal versucht. Eine von A bis Z durchgeplante und wirklich erfolgreiche Kampagne gab es bislang nicht, insbesondere haben wir noch nie gezielt die gesamte Parteibasis aktiviert.

Ein wichtiger Erfolg ist aber das zunehmende Bewusstsein für die Bedeutung von Kampagnen bei den Aktiven, und speziell bei den Presse-Piraten ist das Thema sehr (!) präsent. Künftig soll es jeweils eine „Kampagne des Monats“ geben, und ich bin mir sicher, über kurz oder lang wird die Umsetzung auch tatsächlich generalstabsmäßig ablaufen.

Erledigungsgrad: ca. 10-33% (je nach Definition).


5. Mitgliederwerbung

Der größte Erfolg in diesem Bereich, den sich der BuVo zuschreiben kann, sind wohl die insgesamt 6 von mir persönlich geworbenen Mitglieder in Bremen/BaWü – was aber nicht wirklich Sinn dieses ToDo-Punktes war. Ansonsten habe ich zusammen mit Wilm einen DickerEngel abgehalten, dessen Ergebnisse in einem Pad mündeten und meines Wissens von irgendwem (in RLP?) auch erfolgreich genutzt wurden.

Ferner werbe ich bei jeder Gelegenheit darum, auf alle (!) Piraten-Flyer auch einen Mitgliedsantrag aufzudrucken. So geschehen zuletzt anlässlich der Gamescom in Köln, was uns prompt eine ganze Reihe neuer Mitglieder bescherte, die sofort unterschrieben. Den Allgemeinflyer von BaWü, in dem dies ebenfalls umgesetzt ist, verbreite ich aus demselben Grund überall. Systematische Werbe-Aktionen über Werbung, Vereine oder Mailings gab es noch nicht.

Erledigungsgrad: ca. 10-20%.


6. Presse- und Öffentlichkeitsarbeit

6.1. Presseanfragen
6.2. professionelle Pressemappe
6.3. Infos für Wähler
6.4. Ansprechpartner auf allen Ebenen

Hier gab es wohl seit Heidenheim die größten Fortschritte gegenüber der Zeit vorher – was aber nur zum Teil an uns als BuVo (und hier vor allem Sebastian) in Form einer besseren Erreichbarkeit sowie eines professionellen Auftretens lag, sondern nicht zuletzt an der hervorragenden Arbeit der Presse-Piraten. Danke dafür an dieser Stelle!

Hingegen ist im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit noch viel zu tun. Helfen wird hier sicherlich das Media-Tool DAM und die künftigen regelmäßigen bundesweiten Treffen der Presse-Piraten. Immerhin gab es einige Podiumsdiskussionen wie in Augsburg mit der CSU, ansonsten ist auch hier die neue Website ein wichtiges Instrument. Ferner haben wir die Suche nach Experten für bestimmte Fachgebiete begonnen, was sowohl für Presseanfragen als auch Podiumsdiskussionen oder intern aufkommende themenspezifische Fragen wichtig ist.

Erledigungsgrad: ca. 40-50%.


7. Internationale Zusammenarbeit

7.1. PPI
7.2. Kontakt zu Nachbarländern
7.3. Internationale Kampagnen
7.4. „unsere“ Europaabgeordneten stärker nutzen

Mit Österreich und Schweiz bestehen gute Kontakte, letztere besuchen Tirsales und ich am Wochenende bei ihrer Jahresversammlung. Hier ist auch eine Wahlkampfunterstützung geplant. Was darüber hinaus in Sachen PPI passiert, ist mir nicht bekannt – internationale Aktivitäten stehen derzeit nach allem, was ich mitbekomme, bei uns nicht wirklich im Fokus.

Erledigungsgrad: ca. 10%


8. Delegationen/Beauftragungen

8.1. Hauptaufgabe jedes Vorstands: delegieren, delegieren, delegieren
8.2. konkrete Vorgaben machen

Ich denke, die seit Beginn unserer Tätigkeit noch weiter angewachsene Zahl der Beauftragten zeigt, dass wir uns bemühen, vieles zu delegieren – und ich gehe davon aus, dass die Liste noch um einiges länger wird. Mit den meisten Beauftragten besteht ein intensiver regelmäßiger Kontakt, die Zusammenarbeit funktioniert – auch an euch herzlichen Dank an dieser Stelle!

Neben einzelnen vakanten Positionen wird die Hauptaufgabe des BuVo hier darin bestehen, weitere Beauftragungen zu vergeben und die Beauftragten nachhaltig zu unterstützen.

Erledigungsgrad: ca. 50%


9. Fundraising

9.1. Spendenaufrufe intern
9.2.  zweckgebundene Spenden für konkrete Projekte
9.3. Verkauf von Piraten-Artikeln über eine Zweckgesellschaft
9.4. Spendenakquise bei Selbständigen/Unternehmen im IT-Sektor
9.5. Online-Marketing

Hier ist noch praktisch nichts passiert – was vor allem an unseren Kapazitätsgrenzen und Prioritäten wie der Verwaltungssoftware liegt. Immerhin hat Rene ein Fundraising-Seminar besucht und einige Erkundigungen eingezogen, beispielsweise zu SMS-Spenden via Spendino. Das Thema ist bei mir jedoch weiterhin auf dem Radar und wird in Richtung Jahresende angegangen werden.

Erledigungsgrad: ca. 3-5%


10. Unterstützung niedrigerer Gliederungen

10.1. Kommunikation untereinander fördern
10.2. Vorlage für Mustersatzung z.B. durch AG Recht ausarbeiten
10.3. Wahlkämpfe koordinieren und unterstützen
10.4. Trouble-Shooter bei akuten Problemen

Hier ist vieles passiert, was von außen kaum zu sehen ist – insbesondere im Bereich „Trouble Shooting“ und Förderung der Kommunikation von Gliederungen untereinander. Letzteres habe ich als wandelndes Adressbuch des Öfteren selbst praktiziert („Wenn du irgendeine Nummer brauchst: Ruf! Mich! An!“), gleiches gilt für die Wahlkämpfe.

Von einer systematischen Verbesserung der Zusammenarbeit zu sprechen wäre aber wohl verfrüht – angestoßen ist dies immerhin im Bereich Presse durch Bündelung von Ressourcen, etwa durch ein zentrales Lektorat oder das DAM, in anderen Bereichen ist ähnliches erst in Planung (z.B. Materialbeschaffung, Wahlkampforga, Großevents etc), manches noch gar nicht angegangen (z.B. Mustersatzungen). Insgesamt scheint mir, dass sich die Kommunikation zwischen den Gliederungen intensiviert hat, aber das mag ein subjektiver Eindruck sein.

Die wichtigste Aufgabe sehe ich somit darin dafür zu sorgen, dass die Interaktion und Vernetzung weniger abhängig von Einzelpersonen wird und damit auch über den aktuellen BuVo hinaus gesichert werden kann.

Erledigungsgrad: ca. 30%


Fazit

Insgesamt bin ich mit unserer bisherigen Arbeit unter Berücksichtigung des Faktors, dass wir das alles ehrenamtlich in der Freizeit machen, nicht unzufrieden. Selbstkritisch muss ich jedoch einräumen, dass ein systematisches Herangehen an die von mir aufgelisteten ToDos bisher kaum gelungen ist. Dies liegt im Wesentlichen wiederum am Zeitfaktor – und den intern und extern aufgezwungenen Tagesthemen.

So war der gesamte BuVo tagelang mit kaum etwas anderem beschäftigt, als wir unsere Feuertaufe durch Servergate erlebten – nach weniger als 5 Tagen im Amt – und haben immer noch mit den  Folgen zu tun (bzw. Besprechungen im Zusammenhang mit der juristischen Verfolgung). Auch die geänderte Parteienfinanzierung, die neuesten Eskapaden unseres Innenministers und andere unvorhersehbare Ereignisse sorgen ständig für zeitliche Belastungen.

Als ähnlich zeitintensiv erwiesen sich – ebenfalls ohne Vorwarnung – das sogenannte „Plankengate“, auf das ich an dieser Stelle ebenso wenig im Detail eingehen möchte wie auf die vor allem für Rene zermürbenden Diskussionen um die Verwaltungssoftware. Hinzu kamen kleinere interne Befindlichkeiten, die nichtsdestotrotz jedes Mal viel produktive Zeit kosten. Unabhängig vom jeweiligen Inhalt und Auslöser belasten solche Shitstorms sowohl nervlich als auch zeitlich die Arbeit des BuVo.

Das ist bei den Piraten aber wohl eine unvermeidliche Begleiterscheinung – egal wie gut oder schlecht man arbeitet. Ich werte es jetzt mal als positiv, dass wir bisher „erst“ ca. 2,5 echte Shitstorms erlebt haben, was für die restlichen 265 Tage unserer Amtszeit rechnerisch nur noch ein halbes Dutzend weitere erwarten lässt 😉

Insofern schaue ich optimistisch auf die kommenden Monate, freue mich auf erfolgreiche Wahlen mit vielen neuen Mandaten in MeckPomm, Niedersachsen und Berlin – und werde als nächstes an gleicher Stelle eine „Halbzeit-Bilanz“ nach sechs Monaten im Amt ziehen.

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Über kungler

Finanzanalyst, Immobilienhai und Unternehmer mit Idealen.
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3 Antworten zu 100 Tage BuVo

  1. ron (@pirat_ron) schreibt:

    erst einmal, gern geschehen – ein Lob ist einfach das allerwichtigste in jeder Organisation, die mit ehrenamtlichen Engagement arbeitet

    ein Lob kostet nichts, zumindest kein Geld, ist aber sehr viel wert und ist das entscheidendste wenn es um langfristige Motivation geht – positive Bestärkung funktioniert am besten, wenn es von jemanden kommt, der Verantwortung trägt und es an denjenigen ausspricht, der ohne Amt die Arbeit macht

    Aber es funktioniert ganz genau so gut auch umgekehrt, von unter nach oben! Leider ist das bei den PIRATEN nicht verbreitet.

    Etwas schlecht reden oder gar kaputt machen, darin sind die PIRATEN top, aber das ist nicht gefragt – konstruktive Kritik, ein Lob, einfach mal sagen was man gut gemacht hat, jemanden indem bestärken was er gut kann und tut, das müssen PIRATEN noch lernen

    ich hab gestern versucht mal beispiehaft vorzumachen wie so etwas funktionieren kann, es kann gern nachgearmt werden

    Klarmachen zum Ändern!

    gruß ron

  2. Aleks A. schreibt:

    Ahoi,

    wenn ich mir das so anschaue, so kann ich nur sagen, dass der BuVor dort an weitesten gekommen ist, wo er von der Basis (z.B. Pressearbeit) gut unterstützt wird.

    Deswegen mein Appell an uns allen: In einer basisdemokratischen Partei ist ein Vorstand in erster Linie ausführende Gewalt dessen, was die Basis will. UND DESWEGEN MUSS DIE BASIS MIT ANPACKEN.

    Es geht nicht an, über einen Vorstand zu schimpfen, aber selber die Hände in den Schoß zu legen. Also, Piraten, mit anpacken, damit wir alle voran kommen.
    Aleks

  3. PiratNEA schreibt:

    Hallo Matthias, Deine Einschätzung der Dinge teile ich weitestgehend. An diese Stelle mal ein großes Dankeschön an die anderen Mitglieder des BuVo. Obwohl jeder von uns so seine Schwächen hat, klappt die Zusammenarbeit hervorragend. Zum Punkt 8 möchte ich noch ergänzen: Trotz einiger Rückschläge und dem teilweise schwierigen Umfeld, leisten alle Beauftragten einen ganz wesentlichen Beitrag für diese recht positve 100 Tage Bilanz. Auch dafür vielen Dank.
    Liebe Grüße
    Rene

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