Rückwirkend

Einen wirklich innovativen Weg, sich von seinen Vermietern ein paar Euro zurückzuholen, geht ein großer deutscher Lebensmittler mit folgendem Schreiben, das uns gestern erreichte:

„Sehr geehrte Damen und Herren,

das statistische Bundesamt hat den Einzelhandelspreisindex kürzlich auf das Basisjahr 2015 umgestellt. Im Rahmen der Umstellung auf ein neues Basisjahr wird die Berechnung des Einzelhandelspreisindex auch inhaltlich neu gestaltet, so dass sich Abweichungen zum bisher veröffentlichten Einzelhandelspreisindex mit dem Basisjahr 2010 ergeben können.

Für den oben angegebenen Mietvertrag hat dies die folgenden Konsequenzen. […] Die letzte Mietanpassung erfolgte auf der Grundlage des Basisjahrs 2010 im März 2019 nach folgenden Parametern:

[Tabelle mit Berechnung]

Nach dem aktuell veröffentlichten Einzelhandelspreisindex mit dem Basisjahr 2015 wäre […] nach der vertraglichen Wertsicherungsklausel noch keine Indexierung der Miete möglich. Daraus ergibt sich rückwirkend die folgende Mietrückzahlung Ihrerseits:

[Tabelle mit Berechnung]

[…] Wir bitten um Erstattung der zu viel bezahlten Miete für den Zeitraum 01.03.2019 bis 01.11.2019 in Höhe von XXX auf das folgende Konto und um Ausstellung einer angepassten Dauermietrechnung ab dem 01.12.2019:

[Kontoverbindung]

Für Rückfragen stehen wir Ihnen gerne zur Verfügung.

Mit freundlichen Grüßen“

 

Ich sag’s mal so: Man kann’s ja mal probieren. Ist bei einem Vermieter, von dem man gerade eine Erlaubnis zum Umbau der eigenen Fläche erbeten hat und dafür sogar noch einen Baukostenzuschuss haben will, taktisch vielleicht ein wenig unklug. Ganz abgesehen davon, dass eine korrekt durchgeführte und akzeptierte Indexmieterhöhung rückwirkend sicherlich nicht unwirksam wird, wenn später die Datenbasis vom Statistischen Bundesamt angepasst wird.

Schade, dass wir nicht wissen, wieviele andere Vermieter gleichlautende Schreiben erhalten und womöglich zähneknirschend, aber klaglos gezahlt haben…

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Hartnäckig

Ein gewisser Anbieter von komplexen Finanzierungsstrukturen will’s einfach nicht wahrhaben, dass wir nicht mit ihm zusammenarbeiten wollen.

An die Typen habe ich schon die Zeit ein One-on-One vor einigen Jahren vergeudet und vor einigen Monaten – weil ich den Firmennamen vergessen hatte – dann nochmal die Zeit für eine Telefonkonferenz. Von den zahlreichen Anbahnungs-Anrufen und -Mails mal ganz zu schweigen.

Anbei der letzte Dialog, der mich fragen lässt, ob das eine besonders hartnäckige Vertriebstruppe ist oder womöglich doch nur ein mit Textbausteinen arbeitender Bot.

 

Von: FINANCIER:
Datum: 29.07.2019 um 09:46

Dear Mr. Schrade,

I am getting in touch to request some feedback on our structure that we sent you.
I look forward to hearing back from you.
Thank you very much, and my very best wishes,

On behalf of XXX

 

Von: Matthias Schrade
Datum: 29.07.2019 um 09:48

The structure doesn’t fit to our plannings.

Regards
Matthias

 

Von: FINANCIER
Datum: 29.07.2019 um 2019 09:58

Dear Mr. Schrade,

That is well understood.

We would like to stay in contact with you via this email in case your financing plan changes in the future.

Kind regards,
On behalf of XXX

 

Von: FINANCIER
Datum: 18.11.19 UM 15:49

Dear Mr. Schrade,

We at XXX still retain a strong interest in exploring the possibility of investing in your firm.

We would be delighted to have a conference call with you if you have any capital to raise.

Then we would be delighted to schedule a conference call with you during one of the following time slots, if you are available:

November 19th, 10:00 am-12:00 pm and 2:00 pm-5:00 pm Paris time
November 20th, 10:00 am-12:00 pm and 2:00 pm-5:00 pm Paris time
November 21st, 10:00 am-12:00 pm and 2:00 pm-5:00 pm Paris time
November 22nd, 10:00 am-12:00 pm and 2:00 pm-5:00 pm Paris time
November 25th, 10:00 am-12:00 pm and 2:00 pm-5:00 pm Paris time

Ps: Please forward the email to the right persons above (CEO / CFO)

I look forward to hearing back from you.

Kind regards,
On behalf of XXX

 

Von: Matthias Schrade
Datum: 18.11.2019 um 17:03

Not interested.

 

Von: FINANCIER
Datum: 19.11.19 um 08:12

Dear Mr. Schrade,

That is quite understood.

We would very much like to stay in contact with you via email so that we can remain your first point of reference for when your financing plan changed in the future.

I look forward to hearing back from you.

Kind regards,
On behalf of XXX

 

Von: Matthias Schrade
Datum: 19.11.2019 um 08:20

No.
Your structure doesn’t fit to our plannings.

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Nachtrag

Von einem namhaften Filialisten erhielten wir soeben einen Nachtrag zum Mietvertrag mit der Bitte um Durchsicht und Unterschrift. Mal abgesehen davon, dass der Name unserer Tochtergesellschaft darin gleich bei der Angabe der Vertragspartner falsch angegeben wird, findet sich im Text des Nachtrags (in dem ansonsten vor allem diverse eher formale Kleinigkeiten geregelt werden sollen) unter anderem der folgende interessante Abschnitt:

Dem Mieter wird gestattet, auf eigene Kosten eine beliebige Anzahl von E-Ladesäulen mit Werbeschild für Fahrzeuge aller Art zu errichten und zu betreiben. Dem Mieter wird gestattet, für die erforderliche Stromversorgung bauliche Maßnahmen in erforderlichem Umfang auf eigene Kosten durchzuführen. Dies umfasst insbesondere die Verlegung eines unterirdischen Stromkabels zum Bereich der Ladesäule.
[…]
Die E-Ladesäule kann vom Mieter zum Mietende auf dessen Kosten ganz oder teilweise wieder entfernt werden. Eine Wiederherstellung des ursprünglichen Zustandes durch den Mieter ist nicht geschuldet. Dies gilt auch für die verlegten Stromkabel und ggf. sonstige bauliche Maßnahmen im Zusammenhang mit der Errichtung der E-Ladesäule einschließlich eines etwaigen zweiten Hausanschlusses. Macht der Mieter vom Entfernungsrecht keinen Gebrauch, wird die Anlage/n gegen Zahlung des steuerlichen Restbuchwerts zzgl. der gesetzlichen Umsatzsteuer zum Ende der Mietzeit durch den Vermieter erworben. Sie geht/gehen in diesem Fall nach Zahlung des steuerlichen Restbuchwerts in das Eigentum des Vermieters über.

Sprich: Theoretisch kann uns der Mieter den halben Parkplatz auf eigene Kosten mit E-Ladesäulen zubauen, dann irgendwann ausziehen und – wenn er will – uns zwingen, ihm die nach seinem eigenen Ermessen abgeschriebenen Anlagen zum Restbuchwert abzukaufen. Egal ob wir diese gebrauchen können oder nicht (womöglich sind E-Autos bis dahin ja wieder out?!).

Oder der Mieter baut die Ladesäulen ab, nimmt sie an seinen neuen Standort mit und hinterlässt bei uns die Löcher auf dem Parkplatz. Vielleicht auch ein paar Betonsockel oder verrostete Metallgestelle, aus denen die wertvolle Elektrik entfernt wurde – er darf die Anlagen, wenn er möchte, ja gegebenenfalls auch nur teilweise abbauen.

Kann man natürlich einfach mal eben so unterschreiben. Aber vielleicht doch besser nicht ohne die eine oder andere kleine Anpassung.

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Sonderleasing

Da im Sommer der Leasingvertrag für meinen Vorstands-Firmenwagen ausläuft, hatte eine Mitarbeiterin vor kurzem begonnen, sich nach einer Folge-Motorisierung umzusehen. Als Wunschmodell nannte ich einen A6, nicht zuletzt wegen des schönen großen Kofferraums.

Dafür erhielten wir gestern vom Händler unseres Vertrauens ein sensationelles Angebot: ein Rückläufer aus einer Großkundenbestellung, mit entsprechend hohem Rabatt. Ein Schnäppchen! – sofort verfügbar, tolle Ausstattung, mit einer All-Inclusive-Sonderleasing-Rate von…. gerade einmal 822 Euro monatlich. Resultierend aus einem Listenpreis von 77.000 Euro.

Schluck.

Ja nun also. Theoretisch wäre ein solcher Untersatz wohl durchaus angemessen für den Vorstand einer börsengelisteten AG. Einer erfolgreichen überdies, darf ich vielleicht anmerken. Und die gegenüber meinem IST-Auto fast verdoppelten Kosten würden unsere Aktionäre gar nicht bemerken angesichts eines Jahresgewinns im siebenstelligen Bereich.

Trotzdem. So viel Geld für etwas auszugeben, das einfach nicht nötig ist, tut mir in der schwäbischen Seele weh. Und nach einmal drüber schlafen und mit einigen Leuten drüber sprechen, ob’s wegen der Repräsentanz und so („börsengelistete AG“) wirklich sein muss, hab ich das Schnäppchen dankend ablehnen lassen. Wie sagte mein Ex-Vorstandskollege, den ich ebenfalls um seine Meinung fragte, es so schön: „Viel zu viel unsinniges Zeug drin. Am Ende dann völlig überteuert.“

Muss die Kollegin also leider noch ein bisschen weitersuchen. Und statt dem top ausgestatteten Audi wird’s dann wohl eher ein vergleichsweise karg möblierter Skoda werden. Irgendwie empfinde ich den aber einfach als passender. Und wenngleich die Aktionäre meinen heroischen Verzicht im ausgewiesenen Konzernergebnis nicht bemerken werden, dann vielleicht wenigstens durch diesen Blogpost 😉

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Wertsteigerung

Die Älteren werden sich erinnern: Vor gut einem Jahr postete ich einen Beitrag bezüglich einer laut angepriesenen Kaufpreisreduzierung von 1,775 auf 1,700 Mio. Euro für ein Objekt, über das wir uns zwei Jahre zuvor auf einen Kaufpreis von 680.000 Euro geeinigt hatten, wonach es jedoch nie zum Vertragsschluss kam.

Nun, inzwischen hat das Objekt – ohne dass sich an den Mieterträgen oder sonstigen wesentlichen Daten etwas geändert hätte – offenbar rasant an Wert gewonnen und kostet jetzt… na? na? na? – nein, weder 0,680 noch 1,700 noch 1,775 Mio. Euro, sondern nun schon glatte 2 Millionen. Ist natürlich schon sehr ärgerlich, dass wir uns diese „Wertsteigerung“ haben entgehen lassen…

Ach ja: Die Zahl der Makler, die uns dieses Objekt angeboten haben, hatte sich auch davor schon weiter erhöht und ist inzwischen vermutlich zweistellig. Aber vielleicht gibt es ja einen, der es noch nicht auf dem Tisch hatte und uns somit demnächst für 2,5 Mio. Euro anbieten kann.

 

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